Hallo Michael,

als ich an meinem zweiten Arbeitsplatz anfing, war die Firma, zumindestens in der Produktion, noch von sehr erfahrenen Meistern dominiert. Mit mir wurden mehrere junge Ingenieure eingestellt, schon auch mit der Absicht, später  gegebenenfalls Führungspositionen mit den gut ausgebildeten Jungen zu besetzen. Natürlich bleibt so eine Konstellation nicht ohne Konflikte, die meist sogar bewußt heraufbeschworen wurden und gut vorbereitet waren, so dass man den jungen Schnösel mal zeigen konnte, wie wenig sie wissen und können. Tatsächlich kommt man als junger Ingenieur mit wenig Praxis und viel Theorie schlecht vorbereitet in diese Schlacht.

An Wochenenden fanden dann immer mal wieder Seminare für die Führungskräfte statt, wo man die „angehenden“ auch mit dazu packte. Natürlich war unterschwellig der Hackordnungskampf immer ein Thema. An den Abenden zwischen den Seminartagen war meist ein fröhliches Beisammensein angeordnet, bei dem von den Älteren auch viele Anekdoten aus alten Zeiten und auch Witze erzählt wurden.

Ich hatte in dieser Zeit ein Witzchen auf Lager, das ich selber gar nicht mal so gut fand, aber irgendwie passte er gut zu dem Publikum:

Ein junger Lehrling in einer Autowerkstatt kommt montags immer zu Arbeit und wird vom Gesellen begrüßt: „Hey Stift, nen schönen Gruß vom Wischer!“ Der Lehrling fragt jedes Mal wieder: „Von wellerem Wischer?“ Der Geselle antwortet wie immer mit seinem Grinsen: „Vom Scheibenwischer!“
Irgendwann reicht es dem Lehrling und er geht zu seinem Meister und erzählt ihm die Misere, dass er auch so blöd ist und jedesmal wieder darauf reinfällt. Der Meister reagiert ganz verständnisvoll und meint zu dem Lehrling: „Das machen wir so, am nächsten Montag kommst du morgens rein und sagst zum Gesellen: Hey, Gsell, nen schönen Gruß vom Werfer… und wenn er dann fragt, von wellerem Werfer…. dann sagst du: Vom Scheinwerfer“.
Der Lehrling ist begeistert, zuhause übt der noch die lässig Haltung vorm Spiegel und kann kaum den Montag abwarten. So geschieht es dann auch, dass der Lehrling montagsmorgens schon von Weitem den Gesellen am Spind sieht und erwartungsfroh ruft: „Hey Gsell, nen schönen Gruß vom Werfer!“
Der Geselle antwortet sofort: „Aaaah, vom Weeerfer! Das ist doch der Bruder vom Wischer!“.
Der Lehrling: „Von wellerem Wischer?“
Der Geselle: „Ei, vom Scheibenwischer!“

Die Meister lagen nach der Geschichte minutenlang vor Lachen auf  den Tischen

Tatsächlich werden ja die neuen Azubis gerne losgeschickt um Sachen zu besorgen wie z.B.:

Sechseckbohrer
Schmirgelöl
Plasmafeile
Kontergewichte für die Wasserwaage
Ersatzluftblase für die Wasserwaage
Gewindehammer
Gelenkhammer
Gleichstromtrafo
helles Amplituden-Fett (mit Sinus-Schoner)
Unterputzfräser (zum unauffälligen Kabelverlegen)
Fernseher-Nachfüllfarbe
24er Fertigfugen
Solartaschenlampe

Auf den ersten Blick ist das fies, aber um Menschen zum selbstständigen Denken zu bringen sind alle Mittel recht. Unsere Bundeskanzlerin hat bei ihrer CDU jetzt zu ähnlichen Mitteln gegriffen. Erst hat sie die Mitglieder auf den Pro-Atom-Kurs geschickt, um sie dann ein paar Monate später mit ihrem charmanten Lächeln im Gesicht wieder zurückzupfeifen. Wenn sie so weitermacht, dann entsteht mit der CDU zum ersten Mal eine Partei, in der die Mitglieder selbstständig denken und nicht nur alles nachplappern, was die Führung so behauptet. Unserem Land könnte das ganz gut tun.

Gruß Bernd

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