Hallo Kristian,

bis vor kurzem fand ich es immer schwer zu ertragen, dass soviele Menschen aus dem Dritten Reich und aus der DDR, die große Verbrechen begangen hatten, fast oder sogar völlig ungestraft davon kamen. Mittlerweile ist mir klar, dass die Sache mit dem fehlenden inneren Stolz so mächtig ist, dass ich überzeugt bin, dass diese Leute ihre Strafe haben oder hatten. Man kann das auch daran erkennen, wie solche Kreise verzweifelt versuchen in irgendwelchen versteckten Seilschaften etwas hochzuhalten, was nicht zu rechtfertigen war und ist.

Jesus bringt das noch härter auf den Punkt: Als er seine Truppe zur Verkündigung des Evangeliums zusammenstellt, will einer noch kurz nach Hause, um seinen Vater, der gestorben war, zu beerdigen. Dazu sagt er dann: „Lasst die Toten von den Toten begraben.

Was ich noch nicht ganz verstehe ist, dass sich die Schandflecken, wenn sie nicht getilgt wurden, scheinbar vererben, dass die Nachkommen der Verbrecher auch noch daran kauen und die alten Ideologien hochhalten.

Dabei ist das Tilgen der Schandflecken eine schöne Erfahrung: Ich habe für mich ein kleines Beispiel. Bei uns zu Hause war immer so ein Chaos, dass ich mich geniert hatte, Freunde mit nach Hause zu bringen. Wir hatten zum Beispiel irgendwann mal eine schöne Terrasse, aber obwohl verschiedene Schwestern versuchten, den Bereich in Ordnung zu halten, brauchte unser liebster Chaot höchstens eine halbe Woche um mit Eimern und Ähnlichem die alte Unordnung wieder herzustellen. Ich dachte, dass ich da längst drüberstehe, aber als ich kürzlich einer Freundin aus noblem Haus Bilder davon (mit ein paar Eimern) zeigen konnte und dazu bemerkte: „Guck mal, so hat es bei uns meistens ausgesehen.“ merkte ich über Tage!!!, dass das Tilgen des „Schandflecks“ immer noch guttut. Ich will jetzt aber nicht die Eimer mit Mord und Folter auf eine Stufe stellen, im Gegenteil, ich kann aus meiner Erfahrung nur erahnen, welch wahnsinnig große Erlösung diese Leute erleben könnten.

Gruß Bernd

PS(23.11.2013): Zu dem Thema Kriegsverbrecher gibt es einen guten weil ehrlichen Film von Malte Ludin, der zeigt wie die Kinder schwer an der Schande des Vaters tragen bis hin zur völligen Leugnung einer der Töchter. Einen Trailer dazu hab ich hier gefunden: Zwei oder drei Dinge, die ich von ihm wußte.

Gerade die Tage haben sie auch versucht in Villingen-Schwenningen Stolpersteine zu verlegen, aber der Stadtrat hat sich dagegen ausgesprochen. Da sind wohl auch Nachkommen von Familien am Ruder, die damals an den Verbrechen beteiligt waren oder sich an jüdischem Besitz bereichert haben.

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